Fibromyalgie

Chronische Schmerzsyndrome, zu denen auch die Fibromyalgie zu zählen ist, sind in vielerlei Hinsicht noch unzureichend verstanden und unscharf definiert. In der Regel wird ein chronisches Schmerzsyndrom angenommen, wenn ein Schmerz länger als 6 Monate besteht und keinen erkennbaren Bezug zu einer organischen Veränderung zeigt. Da bei der Fibromyalgie “nur” der Schmerz vorhanden ist und keine damit korrelierbaren organpathologischen oder laborchemischen Veränderungen, leiden die Betroffenen nicht selten daran, dass ihre Erkrankung nicht ernstgenommen oder schlichtweg ignoriert wird. In den vergangenen Jahren kam es insbesondere durch die Entwicklung der funktionellen Kernspintomographie zu einer “Rehabilitierung” der Patienten, denn nun konnte erstmals in der Bildgebung des Gehirns gezeigt werden, dass tatsächlich eine verstärkte Aktivität in den schmerzverarbeitenden Hirnregionen gemessen werden kann. Für näher Interessierte sei verwiesen auf:

Biology and therapy of fibromyalgia. Functional magnetic resonance imaging findings in fibromyalgia

 

Chronische Schmerzerkrankungen werden heute als fehlgeleitete Signalgeneration im schmerzverarbeitenden System begriffen, also als Verselbständigung des Schmerzes und Loslösung des Schmerzes von äußeren Auslösern. Der Beginn einer Schmerzerkrankung ist oft organischer Art, d.h. eine körperlich zu erklärende Akutschmerzsymptomatik, z.B. eine Arthritis oder ein Bandscheibensyndrom. Unter ungünstigen Bedingungen (begleitende Depression, psychosoziale Belastungsfaktoren u.a.) kann sich der Akutschmerz zu einem chronischen Schmerzsyndrom entwickeln. Von großem medizinischen Interesse ist daher die Beantwortung der Frage, welche Faktoren die Entstehung eines Schmerzsyndroms begünstigen.

Es gibt etliche neue Erkenntnisse, dass auch das endokrine System und das vegetative Nervensystem an der Entstehung von chronischen Schmerzerkrankungen beteiligt sind. Interessant ist hier der Vergleich von zwei Erkrankungen, dem Fibromyalgie-Syndrom und der sympathischen Reflexdystrophie (M.Sudeck):

Fibromyalgie und sympathische Reflexdystrophie: zwei Gesichter einer Erkrankung ?

Die Rolle des sympathischen Nervensystems bei Schmerz und Entzündung

 

Die Fibromyalgie tritt relativ häufiger auf bei Patienten mit einer Autoimmunerkrankung wie Hashimoto-Thyreoiditis oder rheumatoider Arthritis. Manche Autoren vermuten, dass auch die Fibromyalgie-Schmerzen Folge einer Autoimmunerkrankung sind. Interessant sind neue Erkenntnisse zu Autoimmunentzündungen des Gehirns:

Hashimoto-Enzephalitis und andere Autoimmunerkrankungen des Gehirns    Parallelen zur Fibromyalgie ?

 

 

 

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