DHEA

Rheumatologische Aspekte der DHEA-Substitution

Volker Nehls

Endokrinologische Grundlagen

DHEA = Dehydroepiandrosteron und sein Sulfatester DHEA-S werden in der Nebennierenrinde aus 17-OH-Pregnenolon gebildet. DHEA repräsentiert quantitativ das Hauptprodukt der NNR. 90 % des zirkulierenden DHEA ist adrenalen Ursprungs. Die DHEA-Produktion steigt im 6.-8. Lebensjahr sprunghaft an (“Adrenarche”) und nimmt bei beiden Geschlechtern nach dem 30. Lebensjahr kontinuierlich ab (“Adrenopause”). DHEA stellt ein Vorläufermolekül (Prähormon) dar, aus dem in der Peripherie zunächst männliche Hormone (Androstendion, Testosteron) und aus diesen dann durch Aromatisierung weibliche Hormone (Östradiol) gebildet werden. Ein erheblicher Teil der DHEA-Wirkung muß daher wohl den Metaboliten Östradiol und Testosteron zugeschrieben werden. DHEA werden jedoch auch direkte endokrine Effekte zugeschrieben, die zum Teil über hochaktive Metabolite vermittelt werden sollen, die unmittelbar an den Zielzellen entstehen (“Intrakrinologie”). DHEA wird teilweise ACTH-abhängig synthetisiert, entsprechen finden sich bei einer Glukokortikoid-bedingten ACTH-Suppression erniedrigte DHEA-Spiegel.

Immunologische und metabolische Effekte:

Androgene wirken immunsuppressiv: Östrogene verstärken, Androgene hemmen die Produktion von Autoantikörpern. Männer mit RA haben durchschnittlich niedrigere Testosteron-Spiegel und höhere Östradiol-Spiegel (Tengstrand et al., J Rheumatol 2003, 30: 2338); in der Synovialflüssigkeit entzündeter Gelenke findet sich ein erhöhter Östrogen/Androgen-Quotient (Castagnetta et al., J Rheumatol. 2003; 30: 2597). Erniedrigte Androgenspiegel bei Frauen, die mit Cortison behandelt werden, könnten zu einer erhöhten Entzündungsaktivität führen, da Androgene bei Frauen überwiegend adrenalen Ursprungs sind. DHEA supprimiert in Zellkultur- und Tiermodellen die Produktion von TNF-alpha, Interleukin-6 und Leptin.

Korrelation von inflammatorischer Aktivität und niedrigen Androgen-Spiegeln (DHEA, Testosteron) (Khalkhali-Ellis et al., Clin Exp Rheumatol 1998, 16: 753; Kanik et al., J Clin Endocrinol Metab 2000, 85: 1461).

DHEA-Substitution bei Nebennierenrindeninsuffizienz:

Studie der Würzburger Gruppe (Arlt et al., N Engl J Med 1999, 341:1013): “DHEA (50 mg/d) significantly improved overall well-being as well as scores for depression and anxiety” and ..”the frequency of sexual thoughts, sexual interest, and satisfaction with both mental and physical aspects of sexuality”.

Studie der Oxforder Gruppe (Hunt et al., J Clin Endocrinol Metabol. 2000; 85:4650): 50 mg/d an 39 Addison-Patienten: “In both sexes, psychological assessment showed significant enhancement of self-esteem with a tendency for improved overall well-being. Mood and fatigue also improved significantly,...no effects on cognitive or sexual function,..””Beneficial effects in males, independent of circulating testosterone levels, suggest that it may act directly on the central nervous system rather than by augmenting peripheral androgen biosynthesis”.

Studie der Bergener Gruppe (Lovas et al., J Clin Endocrinol Metabol 2003; 88:1112): “Replacement of DHEA (25 mg/d) in adrenal failure: no benefit for subjective health status and sexuality...” ”side effects (increased sweat odor, scalp itching) were frequent (89 %)”.

 

DHEA-Substitution bei älteren Menschen ohne NNR-Insuffizienz:

Würzburger Gruppe (J Clin Endocrinol Metabol 2001, 86:4686): “...no obvious benefit of 4 months of DHEA supplementation in healthy men with a physiological decline of DHEA production”.

Französische Gruppe (PNAS 2000: 97: 4279): 280 Frauen und Männer (60-79 J) erhielten 50 mg/d über ein Jahr: “Bone turnover improved selectively in women > 70 years old”...”improvement of the skin status was observed...in terms of hydration, sebum production, and pigmentation. A number of biological indices confirmed the lack of harmful consequences..” ”A significant increase in most libido parameters was also found in these older women”.

 

DHEA in der Behandlung des Systemischen Lupus erythematodes:

Aufgrund der endokrinen und immunmodulatorischen Wirkungen von DHEA wurden in den letzten zehn Jahren fünf kontrollierte klinische Studien an Lupus-Patientinnen durchgeführt:

200 (!) mg DHEA pro Tag reduzieren den Bedarf an Glucocorticoiden, reduzieren die Häufigkeit von entzündlichen Schüben und die Krankheitsaktivität. Bei dieser Dosierung waren Nebenwirkungen relativ häufig, aber nach Mitteilung der Autoren harmlos: Akne, Hirsutismus (u.a Arthritis Rheum 2002: 46: 2924).

 

DHEA in der Therapie des Sjögren-Syndroms:

Patientinnen mit primärem Sjögren-Syndrom haben im Vergleich zu einem altersgleichen Kollektiv signifikant erniedrigte DHEA-Spiegel (J Rheumatol 2001: 28: 1259). Aber: “No correlation was seen between disease activity..and the serum concentration of DHEA”.

Eine andere Untersuchung beschreibt eine positive Korrelation zwischen Testosteron-Werten und entzündlicher Aktivität bei SS (J Rheumatol 2003; 30:1267). Eine DHEA-Medikation bei pSS könnte also im ungünstigeren Falle auch einen Krankheitsschub auslösen.

Studien zur DHEA-Substitution bei pSS liegen bisher nicht vor.

Weitere Literatur:

Schmidt M et al., Inflammation and sex hormone metabolism. Ann N Y Acad Sci 1069: 236-46, 2006

 

 

 

 

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